Vorsteuerabzug: Klärende Worte der Finanzrichter zur Rechnungsanschrift

Jeder Unternehmer, in dessen Firma schon einmal eine Betriebsprüfung stattfand, weiß, dass der Vorsteuerabzug zu den Lieblingsprüffeldern gehört. Kann keine ordnungsgemäße Rechnung vorgelegt werden, gibt es keinen Vorsteuerabzug. Deshalb sollten Unternehmer stets darauf achten, dass jede ihrer Eingangsrechnungen alle Bestandteile enthält, die das Umsatzsteuergesetz fordert. Das sind:
  • Name und vollständige Rechnungsadresse des leistenden Unternehmers
  • Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des leistenden Unternehmers
  • fortlaufende Rechnungsnummer
  • Rechnungsdatum
  • Leistungszeitraum
  • Menge und Umfang der Lieferung bzw. Umfang und Art der erbrachten sonstigen Leistung
  • Einzelpreis der Ware oder Leistung
  • Gesamtpreis netto
  • Umsatzsteuersatz und Umsatzsteuerbetrag
  • Gesamtpreis brutto
  • Nur scheinbar unstrittig ist dabei die Rechnungsanschrift des leistenden Unternehmers. Denn welche Adresse zeichnet eine ordnungsgemäße Rechnung aus, wenn das Unternehmen an verschiedenen Orten tätig ist oder Firmenzentrale und Betriebsstätte in verschiedenen Orten liegen. Diese Frage beantworteten die Bundesfinanzrichter in einem aktuellen Urteil. Sie entschieden, dass die vollständige Rechnungsanschrift nicht zwingend die Anschrift sein muss, unter welcher der leistende Unternehmer auch wirtschaftlich tätig ist.

    Das ist insbesondere für Kapitalgesellschaften wichtig, denn gerade bei ihnen kommt es häufig vor, dass der Ort des Gesellschaftssitzes, der Ort der Geschäftsleitung und/oder der Ort der wirtschaftlichen Tätigkeit nicht übereinstimmen. So war es auch im entschiedenen Fall. Die Klägerin begehrte den Vorsteuerabzug aus Rechnungen von einer GmbH, die in der Rechnungsanschrift den Sitz ihrer Gesellschaft angab. Da sie jedoch ihre wirtschaftliche Tätigkeit an einem anderen Ort ausübte, versagte das Finanzamt den Vorsteuerabzug.

    Nach der Recherche des Finanzamtes handelte es sich bei den Rechnungsangaben der leistenden GmbH um eine Adresse, unter welcher die GmbH nur postalisch erreichbar war. Für den Vorsteuerabzug sei jedoch immer die Anschrift zu benennen, unter der der leistende Unternehmer seine wirtschaftliche Tätigkeit tatsächlich ausübt. Aufgrund des Briefkastensitzes als Rechnungsanschrift des leistenden Unternehmens vertrat das Finanzamt daher die Ansicht, dass keine ordnungsgemäße Rechnung vorlag, die den Vorsteuerabzug zuließ.

    Die Bundesfinanzrichter stimmten dieser Auffassung nicht zu. Sie entschieden, dass für eine ordnungsmäßige Rechnung jede Rechnungsanschrift des leistenden Unternehmers genügt, unter der er tatsächlich erreichbar ist. Dies darf auch eine Briefkastenadresse sein.

    Doch Vorsicht: Eine Briefkastenadresse ist nicht mit einer Briefkastenfirma gleichzusetzen. Während es sich bei der ersteren um die Postadresse eines leistenden Unternehmens handelt, ist letztere eine Scheinfirma, die gar keine Leistungen erbringt. Daher ist bei den sogenannten Briefkastenfirmen der Vorsteuerabzug mangels erbrachter Leistung stets ausgeschlossen.